Startseite Bürgerprojekt Nachhaltigkeit Nachhaltige Marktwirtschaft Finanzkrise - Weltfinanzgipfel Marktwirtschaft und Religion Bürgerstrom und Medien Zukunft gestalten

Marktwirtschaft und Religion:



Themen:
Sozialenzyklika


Enzyklika

L A B O R E M   E X E R C E N S 

Mein Kommentar zu 25 Jahre Sozialenzyklika "Laborem exercens"

sozialenzyklika-laboremexercens-marktwirtschaft [123 KB]

25 Jahre Sozialenzyklika „Laborem exercens“

Dieser Tage wird wieder einmal vom „Dritten Weg“ gesprochen, da vor 25 Jahren Papst Johannes Paul II die kirchliche Soziallehre durch die Enzyklika „Laborem exercens“ (http://www.vatican.va/edocs/DEU0075/_INDEX.HTM) weiterentwickelt hat.
Neben dem Kapitalismus und dem Kollektivismus sollte der Weg einer christlichen Sozialethik beschritten werden, die eine Gerechtigkeit des gesamten sozio-ökonomischen Systems“ herbeiführen soll.


Auszüge aus der Enzyklika:
Abschnitt II. 12:
… muß man vor allem ein Prinzip in Erinnerung rufen, das die Kirche immer gelehrt hat: das Prinzip des Vorranges der Arbeit gegenüber dem Kapital. Dieses Prinzip betrifft direkt den Produktionsprozeß, für den die Arbeit immer eine der hauptsächlichen Wirkursachen ist, während das Kapital, das ja in der Gesamtheit der Produktionsmittel besteht, bloß Instrument oder instrumentale Ursache ist. Dieses Prinzip ist eine offensichtliche Wahrheit, die sich aus der ganzen geschichtlichen Erfahrung des Menschen ergibt.

Abschnitt III. 14
…Dieses Prinzip, wie es damals betont wurde und noch heute von der Kirche gelehrt wird, unterscheidet sich radikal vom Programm des Kollektivismus, das vom Marxismus proklamiert und im Laufe der Jahrzehnte seit der Enzyklika Leos XIII. in verschiedenen Ländern der Welt verwirklicht worden ist. Es unterscheidet sich zugleich vom Programm des Kapitalismus, das vom Liberalismus und den von ihm inspirierten politischen Systemen verwirklicht wird. In diesem zweiten Fall liegt der Unterschied in der Auffassung selbst vom Recht auf Eigentum. Die christliche Tradition hat dieses Recht nie als absolut und unantastbar betrachtet. Ganz im Gegenteil, sie hat es immer im größeren Rahmen des gemeinsamen Rechtes aller auf die Nutzung der Güter der Schöpfung insgesamt gesehen: das Recht auf Privateigentum als dem gemeinsamen Recht auf Nutznießung untergeordnet, als untergeordnet der Bestimmung der Güter für alle….

…Ein Weg auf dieses Ziel hin könnte sein, die Arbeit soweit wie möglich mit dem Eigentum am Kapital zu verbinden und eine große Vielfalt mittlerer Körperschaften mit wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Zielsetzung ins Leben zu rufen: Körperschaften mit echter Autonomie gegenüber den öffentlichen Behörden, Körperschaften, die ihre spezifischen Ziele in ehrlicher Zusammenarbeit und mit Rücksicht auf die Forderungen des Gemeinwohls verfolgen und sich in Form und Wesen als lebensvolle Gemeinschaften erweisen, so daß sie ihre Mitglieder als Personen betrachten und behandeln und zu aktiver Teilnahme an ihrem Leben anregen.


Papst Johannes Paul II war Professor für Moraltheologie sowie für Philosophie und Sozialethik. Er konnte somit fundiert das Thema Marktwirtschaft behandeln.

Aber sind Arbeit und Kapital tatsächlich Gegensätze? Sind Kollektivismus (geprägt durch den Marxismus, Kommunismus) und Kapitalismus (geprägt durch starken Liberalismus) tatsächlich Gegensätze.
Sind diese Begriffe nicht vielmehr zwei Seiten einer Medaille?
Arbeit auf der einen Seite, Kapital auf der anderen Seite?
Der Rand ist der soziale Ausgleich?
Kollektivismus auf der einen Seite, Kapitalismus auf der anderen Seite.
Der Rand ist die soziale Marktwirtschaft, der „Dritte Weg“ einer ethisch vertretbaren, gerechten, sozio-ökonomischen Gesellschaftsform.

Jahrzehntelang wurde das Wechselspiel beider Systeme ausprobiert, verändert, verbessert, aber auch wieder verschlechtert. Nach der langen Überbetonung sozialer und sozialistischer Aspekte, die letztlich nach Auffassung einer großen Mehrheit gescheitert sind, herrscht derzeit eine liberalisierte Form des Kapitalismus vor.
Da der „Gegenspieler Sozialismus“ fehlt, sind Fehlentwicklungen bei der Berücksichtung der Kapitalseite nicht zu vermeiden.

Dieses Münzspiel „Kopf oder Zahl“ mit dem Versuch, die Münze auf den Rand zu stellen, wird immer so weitergehen, wenn man nicht neue Denkmodelle entwickelt.
Die „Gerechtigkeit“, wie sie bereits in der Sozialenzyklika vor 90 und vor 25 Jahren eingefordert wurde, wird nicht kommen, solange die Themen Arbeit und Kapital (mit dem Versuch der Herstellung sozialer Gerechtigkeit) nicht um die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie erweitert werden.

Wie die Enzyklika bereits beschreibt: „…menschliches Schaffen zum echten Wohl der Menschheit…“

Abschnitt V, 26:
… Erleuchtet von dieser Urquelle, hat die Kirche immer verkündet, was seinen modernen Ausdruck in der Weisung des II. Vatikanischen Konzils gefunden hat: »So wie das menschliche Schaffen aus dem Menschen hervorgeht, so ist es auch auf den Menschen hingeordnet. Wenn nämlich der Mensch wirkt, formt er nicht nur die Dinge und die Gesellschaft um, sondern vollendet auch sich selbst. Er lernt vieles, entwickelt seine Fähigkeiten, überschreitet sich selbst und wächst über sich hinaus. Solches Wachstum ist, richtig verstanden, mehr wert als äußerer Reichtum, der angesammelt werden kann... Richtschnur für das menschliche Schaffen ist daher, daß es gemäß dem Plan und Willen Gottes mit dem echten Wohl der Menschheit übereinstimme und dem Menschen als Einzelwesen und als Glied der Gesellschaft die Entfaltung und Erfüllung seiner vollen Berufung gestatte«. …


Der so genannte „Dritte Weg“ existiert eigentlich gar nicht, da er nur eine „Randerscheinung“ der beiden Seiten einer Münze ist.

Wir Menschen müssen verstehen lernen, dass Arbeit und Kapital, nachhaltig eingesetzt, zwangsläufig zu mehr Gerechtigkeit in der Welt führen. Wenn Anhängigkeiten von den fossilen Ressourcen reduziert werden und der weltweite Energiemangel beseitigt wird, dann findet der Mensch zu seiner wahrhaft menschlichen Berufung.

Wir müssen ein neues Marktmodell entwickeln: die „Nachhaltige Marktwirtschaft“.

Wenn alle Entscheidungen in der Politik auf Nachhaltigkeit geprüft werden, sind andere Entscheidungen, wie sie heute getroffen werden, zwangsläufig.
Dies gilt beispielhaft in den gegenwärtigen Diskussionen für die Energie-, Wirtschafts-, Steuer-, Sozial- oder Bildungspolitik.
Laufend wird nur nach kurzfristigen Erwägungen entschieden und durch Lobbyismus geprägte Interessenpolitik betrieben. Es fehlt der Mut zu wirklicher Veränderung.

Es grüßt Sie
Ihr Dietmar Helmer
Im September 2006







Nach oben